Raus aus der Erziehungsfalle und Liebe erhalten

Ich habe schon viele Mütter erlebt, welche sich in einer andauernden Phase von schlechter Laune befanden. Sie fühlten sich, als ob sie in absehbarer Zeit überhaupt nicht mehr aus der Nummer: „liebevolle Mutter“ herauskommen können. Sie waren in die Erziehungsfalle getappt. Mit dem Partner nun zu „Elterntieren“ mutiert, schwand außerdem das Gefühl, begehrenswert und sexy zu sein.

Außerdem kann auch ein ständig schwelendes schlechtes Gewissen vorkommen, wenn du gleichzeitig arbeitest und ein oder mehrere Kinder hast. Du traust dich nicht, klare Ansagen zu machen und hast ständig ein „Jein“ auf den Lippen. Es ist kein klares Ja, aber auch kein bestimmtes Nein. Es ist irgendein Eiertanz in der Mitte.

Du kommst dir vor wie eine Gummipuppe auf Rädern.

Wie gut ich mich an diese Zeit erinnere! Ich war damals auch in dieser Falle gefangen.

Einen weiteren Absacker erfuhr mein Selbstbewusstsein noch, als unsere kleine Tochter ihre süßen Patschhändchen nach meinem Mann ausstreckte, mit ihren wackeligen Beinchen an mir vorbeimarschierte und ihm zustammelte: „Paaaapaaaa!“ Mich würdigte sie keines Blickes mehr. Das gab mir oft gewissermaßen den Rest, fühlte ich mich doch von ihr weniger geliebt. Hatte ich ihr nicht ständig  ihren Lieblingsbrei zubereitet und ihr hingebungsvoll die müffelnden Windeln gewechselt? Sollte ich da nicht auch ihre grenzenlose Liebe erhalten?

Wenn der Papi kam, war ich vergessen und nicht mehr zuständig. Grummelnd sah ich zu, wie die beiden fröhlich schäkerten, während ich die Reste des Grießbreis von den Kacheln wischte.

Als sie größer war, tuschelten die beiden oft verschwörerisch. „Natürlich kaufe ich dir das Spielzeug, dass du so gerne haben möchtest.“ Sie kicherten. „Mami mag es ja immer pädagogisch wertvoll. Aber wenn du gerne so eine sprechende Puppe haben willst, dann suchst du dir am besten eine am Wochenende aus, wenn sie in der Weiterbildung ist…“

Familienbande muten manches mal wie Parteikoalitionen an – da werden innerste Emotionen, Sehnsüchte, alte Wunden und brennende Gefühle an die Oberfläche gespült.

Wie kann man also die Liebe zum Partner erhalten, dabei ein aufregendes Liebesleben bewahren und trotzdem dem Kind/den Kindern gerecht werden, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben?

Raus aus der Erziehungsfalle 1: Warum es gut ist, dass du kinderfreie Zeiten einplanst und wie du es deinem Kind verkaufst 

Manchmal ist Abgrenzung absolut in Ordnung. Deshalb liebt ihr eure Kinder nicht weniger.

Im Gegenteil: Es ist wichtig, dass du auch an dich denkst.

Welch magische, wundervolle und zauberhafte Person du bist.

Wenn du einen Home-Office-Arbeitsplatz hast, gilt das Gleiche: Kinder verstehen persönliche Ansprachen und die Bedeutung von Arbeit.

Du könntest zum Beispiel deinem Kind vorschlagen:

„Wir Erwachsenen möchten gern miteinander sprechen, aber wir möchten jetzt gern allein darüber reden.“

Oft sind Kinder in alles einbezogen und wissen gar nicht mehr, dass es auch einen „Erwachsenenraum“ gibt. Es ist völlig in Ordnung, diesen ohne schlechtes Gewissen zu pflegen und kindfrei zu halten. Deshalb seit ihr keine schlechteren Eltern – im Gegenteil: Es ist wichtig, auch ab und zu sich selbst und vor allem als Paar wahrzunehmen.

Oder: „Ich möchte jetzt mal mit dem Papa kuscheln, lass uns einen Moment in Ruhe und geh spielen.“

Zuerst wird das Kind sicherlich eine Frustration erleben, aber je konsequenter und klarer diese Räume eingefordert werden, desto weniger fühlt sich der Nachwuchs als Person zurückgewiesen. Es merkt sich, dass es nach der Rede- und Kuschelzeit von Mama und Papa wieder Zuwendung erfährt – dadurch lernt dein Kind, dass du deine eigenen Zeiten brauchst und wird bald nicht mehr quengeln.

Umgekehrt habe ich auch „knallharte“ Vierjährige als Verhandlungspartner erlebt, wenn sie sich im Spielzeugladen einen Wunsch erfüllen möchten. Kürzlich erlebte ich so eine kleine Businesspartnerin vor den Barbie-Puppen. Gehaltsverhandlungen mit meinem Chef waren da leichter.

Also keine Angst 🙂

Mache deinem Kind keine Zugeständnisse aus einem Schuldgefühl heraus. Dieses Schuldgefühl überträgt sich. Wenn du „Nein“ sagst, ist es in Ordnung – es steht dir zu. Es wird nur halbherzig, wenn du dir sagst: Er war jetzt schon den ganzen Tag im Kindergarten und da müsste ich jetzt…

Wenn du mit gutem Gewissen Nein sagst, dann kannst du auch später aus vollem Herzen Ja zu einer Aktion sagen. Du bist authentisch – die Kinder fühlen sich sicher.

Raus aus der Erziehungsfalle 2: Warum ein Wutanfall von dir (noch) kein Grund zur Sorge ist

Du bist eine liebende Mama, hochsensibel und feinfühlig – aber manchmal geht dir einfach die Hutschnur hoch und du musst einfach losschreien? Die Kinder wollen sich nicht anziehen oder schalten auf Durchzug, wenn es einmal schnell gehen muss? Aber dann tun dir deine lauten Worte  furchtbar leid? Deine Wangenknochen malmen noch und deine Stimmbänder sind schon ganz angeschlagen und du fragst dich, wie das passieren konnte – du bist doch eigentlich so ein friedlicher Mensch?

Genau das erlebt wohl jede Mutter. Bitte verurteile dich dafür nicht. Wir Mamas sind auch nur Menschen. Wir sind 24 Mal am Tag geduldig und das eine Mal ist das sprichwörtliche Fass so übervoll, dass es explodiert.

Ich weiß noch, dass ich studierte, nebenbei arbeitete und dann meine Tochter aus dem Kindergarten abholte – wahlweise hatte ein anderes Kind ihre Schuhe vergraben, die Leiterin sagte mir in strengem Ton, dass sie die Wände mit Farbe beschmiert hätte oder sie hätte die Stabheuschrecken aus dem Terrarium geholt. Kurz: Meine Stimme bewegte sich nicht immer im vorgeschriebenen Dezibel-Bereich.

Wir können im Coaching herausfinden, was dich so wütend und unausgeglichen macht (ein Anmeldefeld findest du unten), auf der anderen Seite bitte ich dich, mit dir liebevoll und achtsam zu sein und dich nicht zu beschuldigen oder zu beschimpfen.

Gerade wenn wir Eltern werden, kommen oft ganz alte Gefühle aus unserer Kindheit hervor, die wir längst verdrängt und vergessen haben. Wir reagieren dann praktisch auf Autopilot. Wenn wir uns unsere alten Wunden bewusst machen und bessere Wege finden, diese ausheilen zu lassen, wird der Umgang mit deinem Kind entspannter und erfüllender.

Ein Kind möchte keine perfekte Mutter – sondern eine authentische.Mit dieser Basis kannst du Grenzen ziehen und diese auch auf Dauer aufrechterhalten. Du musst dann keine übermenschliche Göttin sein, sondern eine Frau aus Fleisch und Blut, die auch einmal Fehler macht und diese eingesteht. Ich weiß noch, wie enttäuscht ich war, dass meine Mutter fast nie gesagt hat, dass ihr irgendetwas leid täte – immer war es dann meine „Schuld“, dass sie nicht anders konnte, als so zu reagieren. Selbst wenn sie es getan hat, war es nicht ehrlich gemeint und leitete wieder auf Kritik an mir über. Also steh zu dir und sage: Ja, das war nicht richtig. Es tut mir leid.

Im nächsten Schritt könntest du dazu übergehen, ein Gespräch zu führen nach dem Motto: „Ich habe in dieser Sache mir dir versucht, so und so mit dir umzugehen. Ich dachte damals, es sei das Beste. Nun hat sich aber herausgestellt, dass es ein Fehler war. Deshalb wird es jetzt so sein dass…

Habe keine Angst vor elterlicher Autorität – auch wenn viele dafür plädieren, dass Kinder „wie von selbst“ aufwachsen. Kinder sind überfordert von zu viel Hilflosigkeit und haben im Grunde gern eine klare Ansage. (Stell dir vor, du hättest einen Chef, der völlig überfordert ist – oder aber einen, der eine klare Linie hat, wie er das Unternehmen führt).

Kinder möchten eure Werte spüren – sonst fühlen sie sich wie im luftleeren Raum. Du brauchst deine Entscheidungen nicht jeden Tag neu zu argumentieren – halte an deinen Regeln fest und ziehe sie durch. Das heißt nicht, dass du deinem Kind nicht genau zuhörst, was es braucht. Es gibt ein Gerüst und innerhalb dieser Schranken gibt es Spielraum – schließlich möchtest du raus aus der Erziehungsfalle.

Dies kommt wiederum eurer Partnerschaft zugute – weil ihr nicht immer wieder alles neu verhandeln müsst und „die Sache läuft“.

Was sind deine Erfahrungen mit Kindern – wie erging es eurer Partnerschaft?

Ich freue mich auf Kommentare 🙂

Zum Weiterlesen: Juul, Jesper: Liebende bleiben. Familie braucht Eltern, die mehr an sich denken. Beltz 2017.

                    Ja, ich will 

                Lass dich als glückliche Frau von ihm finden

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