Wie du aus vier häufigen Partnerschaftsfallen herauskommst

Geht es dir oft so, dass du traurig und gedankenverloren in die Arbeit fährst und über den Streit mit deinem Partner nachdenkst? Seine kalte Gleichgültigkeit, die beleidigende Art, mit der er dir neuerdings begegnet und der verachtungsvolle Blick, den er dir gestern zugeworfen hat? Dabei ging es doch eigentlich nur um eine Kleinigkeit…

Irgendwie macht es für dich auf der einen Seite gar keinen Sinn mehr, die Partnerschaft aufrechtzuerhalten. Auf der anderen Seite möchtest du nicht alles wegwerfen, was ihr in den vergangenen Jahren aufgebaut habt. Der Urlaub vor zwei Jahren war so schön, die Strandspaziergänge toll. Vielleicht habt ihr auch Kinder oder zusammen ein Haus renoviert und liebevoll eingerichtet. Das müsste jetzt alles „auseinanderdividiert“ werden. Davor graut dir – aber so weiterleben? Müsste Liebe nicht leidenschaftlich, hingebungsvoll und mitfühlend bleiben?

Ohhh!! Bald hättest du in deinen Gedanken eine rote Ampel überfahren!

Heute möchte ich dir einige Entscheidungsüberlegungen an die Hand geben, um deine Gedanken etwas aufzulockern. Du hast immer die Wahl, ob du den liebevollen oder den verletzten, harten Weg gehst. Voraussetzung für deine Entscheidung ist, dass es eine Zeit gab, in der ihr euch auf Augenhöhe und gleichwertig begegnet seid & dein Partner keine narzisstischen Züge oder seelischen Krankheiten hat. Euer Leben war leidenschaftlich und von gegenseitiger Achtung geprägt.

Verlasse das Ego-Land

Allzuoft entwickeln wir Gedanken und Erwartungen darüber, wie Dinge sein sollten. Unser Partner sollte immer liebevoll sein, immer gute Laune haben und uns selbst damit anstecken. So etwa zwei- bis dreimal in der Woche sollte er uns kleine Geschenke machen –  natürlich ganz und gar unerwartet und überraschend. Gern gesehen sind Blumen und kleine Schmuckgegenstände. Wenn wir in ein Konzert gehen möchten oder Spazierengehen, dann ist er sofort bereit, uns zu begleiten. Selbstverständlich nimmt er uns auch jederzeit die Kinder ab und fährt sie in die Schule, in den Kindergarten und zu allen Veranstaltungen. Dabei ist er stets ausgeglichen und fröhlich. Er kümmert sich mit Engelsgeduld um uns, wenn wir krank sind und hört uns ständig aufmerksam zu, wenn wir etwas zu erzählen haben. Er springt im Haushalt selbstlos ein, kümmert sich um den Müll, räumt die Küche auf und wäscht seine Wäsche. Er macht den Garten und natürlich tut er auch etwas für seine Weiterbildung. Er kennt sich mit den Theorien der Philosophen aus, gleichzeitig ist er aber auch über die neuesten Entwicklungen mit der Bachelorette oder dem Dschungelcamp vertraut. Ich könnte die Liste jetzt noch endlos fortführen… Musstest du jetzt etwas lachen? Dann ist es gut 🙂

Der Kernpunkt ist, dass all diese schönen Bilder zusammenfallen, wenn wir zusammenwohnen. Dann fragen wir uns: Warum tut unser Partner all diese Dinge, die ich nicht mag und die ich nicht ertragen kann? Warum will er eigentlich immer etwas anderes als ich? Er passt absolut nicht mehr zu mir! Da war doch kürzlich dieser freundliche Verkäufer im Möbelhaus… Und schon ziehen wir gedanklich weiter und suchen nach dem perfekten Maßanzug unserer Beziehung.

Das reflektierte Traumbild vom perfekten Partner passt nicht mehr, er verschafft mir nicht mehr die eingeforderten Annehmlichkeiten und das Vergnügen. So kann schnell Feindseligkeit aufgebaut werden, Streit und Verachtung sind an der Tagesordnung und wir sagen: „Es ist alles seine Schuld. Er hört nicht zu. Er bringt mich dazu, dass ich so streitsüchtig bin.“

Wann befindest du dich im unerreichbaren Ego-Land?

Wenn du

  • deinen Partner nur noch anschreist
  • deinem Partner Vorwürfe machst
  • ihn bloßstellst
  • ihn beschuldigst
  • bestimmst, was richtig und falsch ist
  • stur bleibst
  • selbstgefällig bist
  • reaktiv bist

Wenn du nicht im Ego-Land bist, dann

  • hältst du auch mal inne und atmest weich, statt zu schreien
  • überlegst du, wie du reagieren sollst
  • bist du sanft und offen für alternative Lösungen
  • suchst du nach einer liebevollen Reaktion
  • beharrst du nicht auf der einen, richtigen Lösung
  • übernimmst du Verantwortung
  • siehst du im Konflikt eine Chance

Was du tun kannst:

Steige aus dem Streitkreislauf aus. Sage dir selbst, dass du für jede Art von Krieg nicht mehr zur Verfügung stehst. Atme tief und weich und halte inne, wenn wieder eine Auseinandersetzung bevorsteht – oder du mitten drin steckst.

Frage dich: Wie könnte jetzt stattdessen eine liebevolle Reaktion aussehen? Bist du neugierig, offen und bereit für seine Erklärungen? Was könntest du tun, um aus deinen starren Mauern aus Beschuldigungen herauszukommen?

Spüre die Sehnsüchte und Wünsche deines Partners hinein. Noch seid ihr zusammen – das ist ein gutes Zeichen. Dein Partner liebt dich und möchte mit dir zusammen sein – reiße das Ruder herum und frage dich ehrlich, ob deine „Wunden“ aus früheren Verletzungen stammen (zum Beispiel, dass du als Kind immer übersehen wurdest) oder ob deine Wünsche von ihm tatsächlich immer übergangen werden. Dann ist es gut, ihm deine  Ansichten so sachlich wie möglich zu schildern.

Dankbarkeit praktizieren

Bestimmt winkst du jetzt ab und meinst entweder: „Ja, ich bin doch schon dankbar!“ Aber bist du das wirklich? Siehst du, dass er immer ungefragt den Garten in Schuss hält, genügend finanzielle Mittel mit nach Hause bringt und dich großzügig unterstützt? Erkennst du an, dass er sich immer nach deinem Empfinden fragt und ungefragt Kopfschmerztabletten aus der Apotheke mitbringt (auch wenn es nicht die richtige Sorte ist)?

Im Schwäbischen gibt es das Sprichwort: Net gschimpft is gnug lobt! (Auf deutsch: Nicht geschimpft ist genug gelobt) – aber es ist schön, wenn du es auch aussprichst, wenn dir etwas gefällt – und nicht nur denkst.

In Firmen hat sich das manchmal richtig eingebürgert, dass man fast nur noch schimpft, was alles nicht klappt. Dann nehmen wir dieses Verhalten mit nach Hause und mosern dort weiter. Auch du fühlst dich besser, wenn du kleine Dankeschön-Rituale einführst.

Das könnte sein:

  • Eine Dankeschön-SMS
  • Eine kleine Dankeschön-Zeitschrift
  • ein Dankeschön-Zettel morgen am Spiegel
  • Was ist deine Idee?

So können wir unseren Blick schärfen, auf dass was in unserem Leben gut läuft. Der wunderbare Lehrer Samarpan meinte: Es ist unsere Sichtweise, ob unser Leben die Hölle oder der Himmel ist.

Komm her – geh weg-Spiel beenden und in die Eigenverantwortung kommen

Habt ihr auch unterschiedliche Vorstellungen von Nähe? Das kenne ich in meiner Beziehung auch. Warum ist er schon aus dem Haus gestürmt, dabei wollten wir doch noch zusammen frühstücken? Warum ist es immer so schwer, ihm mal einen Urlaub abzuringen?

Es fällt meinem Mann nicht immer leicht, vom leitenden Büromann auf Ehemann umzuschalten. Genausogut können wir nicht per Knopfdruck von der Angestellten im öffentlichen Dienst zur Sexgöttin werden.

Dann hilft vielleicht, eine Station eher auszusteigen oder mit dem Auto kurz anzuhalten und noch „eine kleine Runde“ zu laufen. Oder zuerst für eine halbe Stunde ins Fitnessstudio zu gehen, bevor man wieder zum „Wir“ wird. Manchmal ist es notwendig, die Zeiten anzugleichen, wenn der eine vorher schon stundenlang zu Hause war und den anderen „überfällt“ und sich auf die Zweisamkeit freut. Aber der Partner möchte vielleicht erst einmal Ruhe und Besinnung. Dann sprecht euch ab, wer wann seine Ruhezeiten möchte.

Es ist auch nicht schlimm, mal eine Woche alleine in den Urlaub zu fahren, wenn der andere sich gar so sperrt oder überhaupt keine Anstalten unternimmt, sich auf Urlaub zu freuen und mitzuplanen. Dann wird der Urlaub selbst (das kann ich aus eigener Erfahrung sagen) zur Zerreißprobe. Natürlich ist es wichtig, noch gemeinsame Punkte zu haben – bei denen ihr gemeinsam in eure Freude kommt. Aber so vergehen sonst die schönen Sommerwochen und du bist frustriert, weil du überhaupt nicht aus der Wohnung herausgekommen bist.

Du möchtest abends noch Spazierengehen, Schwimmen oder Radfahren und er kommt nicht mit? Dann baue dir einen Mädelskreis auf (Inserate in kleinen Regionalzeitungen) und unternehmt etwas gemeinsam – es wird nicht besser, wenn du traurig an ihm herumzerrst, warum er dies nicht tut und jenes lässt….

Setze dich öfters hin, umarme dich selbst, schließe deine Augen und lasse alle Erwartungen an ihn los. Geh nicht alleine in den Park und schimpfe vor dich hin: Hier sind all die glücklichen Paare, die Hand in Hand spazieren gehen! Mein Partner macht das nicht! Er ist böse und gemein! Sei lieber im Hier und Jetzt, atme weich und habe einen Blick für die umhertappenden kleinen Enten, die ihren Eltern stolpernd folgen. Oder für die Amsel, die gerade wieder einen Wurm aus dem Erdreich zurrt. Die ganze Natur ist voll von interessanten Schauspielen. Lass alle Gedanken einfach nur los.

Aus der Entfernung kannst du besser sagen, ob er überhaupt noch zu dir passt und viele  zermürbende Diskussionen entfallen.

Je mehr wir lernen, alles nur zu beobachten und die Verurteilungen schmelzen zu lassen, desto glücklicher und zufriedener werden wir – dies ist aber ein längerer Prozess des Übens….

Die Wut-Spirale auflösen

Bist du eher die sanfte, großäugige Kindfrau und bist an einen kleinen einen Feuerdrachen geraten und gerätst in seine Wut-Spirale mit hinein? Oder du flippst viel und oft aus und dein Partner lacht nur gelassen? Dein Partner merkt sich nicht, was dir wichtig ist und was du gesagt hast?

Übung zur Wutspirale: 

Wenn mein Partner einen Wutanfall, reagiere ich normalerweise:

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Schreibe auf, wie du reagierst.

Das kann sein:

  • du versuchst, ihn zu besänftigen
  • du schreist zurück
  • du versuchst, ihn zu überzeugen,
  • du gehst auf Facebook und guckst, was da so los ist

Wie läuft es dann? Verschärft sich die Lage? Oder wird sie besser?

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Was könntest du machen, damit sich die Situation nicht so verschärft?

Was wäre eine liebevolle Variante für dich selbst?

Ich habe zum Beispiel für mich gemerkt, dass ich bei Streit furchtbar mit den Zähnen malme, so dass sie direkt schmerzen. Oder ich habe schöne Gegenstände nach ihm geworfen, bis sie zerbrochen sind. Das war alles nicht dienlich, denn hinterher habe ich die Sachen vermisst – außerdem war es nicht liebevoll mir selbst gegenüber.

Ich habe dann in einem „erwachterem Stadium“ lieber das Haus verlassen und bin am nahegelegenen Fluss spazieren gegangen. Was wäre deine Lösung?

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Wenn du selbst schnell in Wut gerätst, dann überlege dir, was du tun könntest, wenn die Person gerade nicht da wäre und du nicht deinen Zorn an ihr auslassen könntest. Wärest du verletzlich, schwach oder machtlos?

Was könntest du tun, um deine Wut in andere Bahnen zu lenken bzw. was würdest du tun, wenn der Partner deine Erwartungen gerade nicht erfüllt?

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Eine Möglichkeit wäre, dann auf deinen Atem zu achten, wie er ein- und ausströmt. Lege eine Hand auf dein Herz und eine Hand auf deinen Bauch. Komm weg von deinen Gedanken und sinke in deinen Körper. Sag dir bei jedem Einatmen: „Ich atme Frieden ein“ oder „alles ist gut“ und bei jedem Ausatmen „Ich atme alle Anspannung und Wut aus“.

Übe das Meditieren. Wenn du sehr umtriebig bist, kannst du auch eine Geh- oder Tanzmeditation ausprobieren. Sehr gut ist das Sitzen in Ruhe, denn dann kann auch der Geist zur Ruhe kommen. Fange mit nur einer Minute an und beziehe schöne, meditative Klänge (Z.B. Osho: Osho Nadabrahma Meditation) und/oder Duftkerzen (z.B. von Hikali Koh, Omatsu) mit ein. Vielleicht magst du deine Wut auch lieber so ausdrücken, dass du deinen Körper schüttelst und im Badezimmer Indianerschreie loslässt. Du könntest auch eine Leinwand nehmen und mit wilden Pinselstrichen malen, ein Instrument spielen (laut und „bassig“ oder auf ein Kissen klopfen.

Bei all diesen Maßnahmen leitest du die Wut kontrolliert ab – und verschonst deinen Partner, der sonst als Blitzableiter fungieren müsste – oder aber sich ganz aus deinem Leben entfernt. Du musst keine Scherben wegräumen und dich nicht tagelang schämen oder entschuldigen. Die Vorteile liegen auf der Hand 🙂

Ich wünsche dir noch einen schönen Tag 🙂

Herzlich

Foto: Pixabay c)Alexas Fotos

 

 

 

 

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